Ein solches sprachbewusstes Unterrichtskonzept beginnt mit der methodisch-didaktischen Gestaltung des Unterrichts. An erster Stelle steht eine Analyse der fachspezifischen sprachlichen Anforderungen. Dazu zählen das mündliche und schriftliche Angebot (z. B. Lese- und Schreibaufgaben, der sprachliche Input der Lehrkraft) und die sprachlichen Handlungen, die von den Schülerinnen und Schülern produziert werden sollen. Auf dieser Grundlage werden die zum Erreichen des fachlichen Lernziels erforderlichen sprachlichen Kompetenzen herausgearbeitet.

 

Aufbauend auf der Ermittlung des Sprachstands der Schülerinnen und Schüler wählt die Lehrkraft auf den Lernstand zugeschnittene Unterstützungstechniken aus, die zum Erreichen der erforderlichen sprachlichen Fertigkeiten beitragen.

 

Eine typische Unterstützungstechnik im Fachunterricht ist der Einsatz von sprachlichen Baugerüsten (so genannte Scaffolds), die im Unterricht zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Sie helfen sprachschwachen Kindern und Jugendlichen, sich neue Inhalte fachlich zu erschließen. Im Unterricht kann ein solches Baugerüst mittels Formulierungshilfen für wiederkehrende sprachliche Handlungen erfolgen, die in einer Textsorte eine bestimmte Funktion einnehmen und dem Text Struktur geben, zum Beispiel die Beschreibung der Durchführung und der Beobachtungen in Versuchsprotokollen im Chemieunterricht.

 

Ein Lernplakat beispielsweise gibt Schülerinnen und Schülern für einen authentischen Anlass – etwa ein im Chemieunterricht durchgeführtes Experiment – konkrete Formulierungshilfen für das Anfertigen eines Versuchsprotokolls. Diese können z. B. typische Wortkombinationen sein, die mit den Teilhandlungen verbunden sind (Durchführung: „Man gibt X hinzu"; Beobachtung: „Ich habe beobachtet, dass ..."; Deutung: „Aus X kann geschlossen werden, dass Y") und Satzverknüpfungen sein, die helfen den Text zu strukturieren (z. B. „Zuerst ist XY aufgebaut/zerlegt worden ... Dann wurde ZZ hinzugefügt/verbunden..."). Hinzu kommen die jeweils themenspezifischen Fachwörter.

 

 

Mithilfe solcher Unterstützungstechniken können Schülerinnen und Schüler fachspezifische, sprachliche Hürden überwinden, die fachlichen Lernziele erreichen und sich darauf aufbauend die bildungssprachlichen Besonderheiten eines Faches aneignen. Die Umsetzung soll dabei durchgängig in jedem Fach und nicht etwa mittels einer bestimmten Methode oder nur von Zeit zu Zeit erfolgen.

 

 

Die Verknüpfung von fachlichem und sprachlichem Lernen stellt somit ein umfassendes sprachbewusstes Konzept dar, das die gesamte Art zu unterrichten strukturiert.